Das Gespräch, das nie stattfindet

Es beginnt nie mit dem Spiel.

Es beginnt mit einem Blick. Einem kurzen, der etwas länger dauert als nötig, wenn du dich abends an den Rechner setzt. Oder mit einem Satz, der beiläufig klingt, aber nicht beiläufig gemeint ist: Spielst du schon wieder?

Du weißt, was sie meint. Und sie weiß, dass du es weißt. Und trotzdem sagt keiner von euch, worum es wirklich geht.

Es geht nicht um das Spiel. Es ging nie um das Spiel.

Es geht um die Stunden, die du dort verbringst und nicht hier. Es geht um die Abende, an denen du zwar da bist, aber nicht wirklich da. Es geht um das Gefühl, dass du dich in eine Welt zurückziehst, die sie nicht kennt und in die sie dir nicht folgen kann.

Und auf deiner Seite geht es um etwas, das du nicht erklären kannst, ohne dass es falsch klingt: dass du diesen Ort brauchst. Nicht, weil dir das hier nicht reicht. Sondern weil es der einzige Raum ist, in dem niemand etwas von dir will. In dem du niemandes Partner bist, niemandes Kollege, niemandes Erwachsener. Nur du, in einer Welt, die nicht fragt, wie dein Tag war.

Das klingt egoistisch, und vielleicht ist es das auch. Ein bisschen. Aber es ist auch ehrlich.

Der Streit über Gaming ist selten ein Streit über Gaming. Er ist ein Streit über Nähe, über Aufmerksamkeit, über die Frage, wie zwei Menschen ihre begrenzte Zeit aufteilen. Das Spiel ist nur die Oberfläche. Darunter liegt etwas, das schwerer wiegt: die Angst, nicht zu reichen. Auf beiden Seiten.

Und das Gespräch, das ihr führen müsstet – das ehrliche, das verletzliche, das unbequeme – findet nicht statt. Stattdessen streitet ihr über Bildschirmzeit, über Prioritäten, über ein Spiel, das eigentlich nichts dafür kann.

Vielleicht ist der erste Schritt, aufzuhören, über das Spiel zu reden. Und anzufangen, über das zu reden, was dahinterliegt. Das, was ihr beide meint, aber keiner ausspricht.

Es geht nicht um World of Warcraft. Es geht um euch.